Zwischen Bauhaus-Kirche und Osterlicht: Frauke Eiben feiert Ostern in Athen
Der Blick fällt hinauf zum Lykabettus, dem mit 277 Metern höchsten Bergs Athens. Zwischen dicht bebauten Straßen öffnet sich ein unerwarteter Raum: ruhig, klar, fast schon ein wenig nordisch. Die Christuskirche liegt hier – ein Bau aus den 1930er-Jahren, schlicht, im Bauhausstil. Mit mächtigem Kreuz auf dem Turm. Im Inneren fällt das Sonnenlicht durch die eindrucksvollen Buntglasfenster, entworfen von Walter von Ruckteschell, gefertigt von den Vereinigten Süddeutschen Werkstätten nach Entwürfen des Glasmalereikünstlers Wilhelm Pütz. Sie rahmen den Altarraum in warmes Licht – ein Ort der Sammlung mitten in der von spürbarer Historie und inspirierender Kreativität geprägten Großstadt.
Hier feiert in diesen Wochen Frauke Eiben Ostern. Drei Jahre nach ihrem Eintritt in den Ruhestand ist die ehemalige Lauenburgische Pröpstin des Kirchenkreises noch einmal aufgebrochen: Seit September 2025 lebt und arbeitet sie als Pastorin auf Zeit in der griechischen Metropole. „Ich bin noch bis zum 30. Juni 2026 hier“, sagt sie – und man merkt schnell: Dieser Ort ist für sie mehr als nur eine Station.
Zunächst fühlt es sich ungewohnt an…
Weihnachten hat sie bereits in Athen erlebt. Jetzt folgt Ostern – und das fühlt sich zunächst ungewohnt an. „Irgendwie ist es eigenartig“, sagt sie. „Wir feiern hier Ostern – und die orthodoxen Christen sind noch mitten in der stillen Woche. Diese Ungleichzeitigkeit ist ein wenig irritierend.“
Tatsächlich verschieben sich die Perspektiven: Während in der evangelischen Gemeinde bereits die Auferstehung gefeiert wird, beginnt nebenan erst die Karwoche. „Das macht etwas mit dem eigenen Empfinden“, sagt Eiben. „Man wird sich der eigenen Tradition noch einmal ganz neu bewusst.“
Ostern ist in Athen allgegenwärtig
Und doch ist Ostern in Griechenland schon seit Tagen und Wochen allgegenwärtig. Es ist das größte Fest des Jahres – kirchlich wie familiär. „Von Palmsonntag an werden jeden Tag Gottesdienste gefeiert“, erzählt sie. „Die Liturgie begleitet den Weg Jesu Schritt für Schritt.“ Besonders gespannt ist sie auf die Prozessionen: „Am Karfreitag ziehen die Menschen mit Gesang durch die Straßen, mit einem stilisierten Sarg. Das habe ich so noch nie erlebt.“
Der Höhepunkt aber ist die Osternacht. „Das Entscheidende ist das Licht“, sagt Frauke Eiben. „Die Auferstehung wird gefeiert, indem das Licht weitergegeben wird. Überall kann man Kerzen kaufen – und dieses Licht dann mit nach Hause nehmen oder verschenken.“
Und dann wird es plötzlich laut: „Ein bisschen wie Silvester, habe ich mir sagen lassen.“
Rot gefärbte Eier als Symbol für den Neubeginn
Während in Deutschland Schokoladeneier dazugehören, sind es hier rot gefärbte Hühnereier – Symbole für Leben und Neubeginn. Kleine Unterschiede, die viel erzählen über kulturelle Prägungen.
Auch ihr eigenes Osterprogramm ist dicht. Die Karwoche beginnt für sie mit einem Abendmahl im Seniorenheim Haus Kouroneos. „Das haben sich die Bewohnerinnen sehr gewünscht“, erzählt sie. „Und es ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit, dass die Oblaten aus Ziethen kommen. Hier habe ich keine bekommen.“ Ausdrücklich sagt sie Dankeschön an Wolfgang Rogge und Martin Behrens, die den Transport aus dem Lauenburgischen nach Griechenland gemanagt haben.
Oblaten aus Ziethen für Griechenland
Am Gründonnerstag folgt ein Agapemahl in der Kirche – ein gemeinsames Essen, still, verbunden, erinnernd. Karfreitag bringt den klassischen Einschnitt: „Der Altar wird abgeräumt, die Osterkerze gelöscht.“ Und dann der Neubeginn: Die neue Kerze wird vorbereitet, sogar die Wachszahlen für das Jahr 2026 kommen aus Deutschland.
Der Ostersonntag schließlich ist festlich: Gottesdienst, Abendmahl, vielleicht Kirchkaffee im angrenzenden Garten der Christuskirche – und am Abend: ein Konzert. „Volles Programm“, sagt Eiben und lacht. Besonders freut sie sich darauf, dass ihre Familie zu Besuch kommt. Wie viele Mitglieder ihrer Gemeinde kommen werden, weiß sie noch nicht. Im Schnitt sind es Sonntag für Sonntag um die 40, an hohen Feiertagen – ganz wie in der Heimat – deutlich mehr.
Frauen im Fokus der Osterpredigt
Und was erwartet die Besuchenden inhaltlich, in der Osterpredigt? „Im Mittelpunkt stehen für mich die Frauen am Ostermorgen – vor allem Maria Magdalena“, sagt Frauke Eiben. „Sie sind die ersten, die von der Auferstehung erfahren und die Botschaft weitertragen.“ Es geht um Verwandlung: „Wie sich Trauer in Mut verwandelt und Liebe in den Aufbruch in ein neues Leben. Ich glaube, wir alle brauchen diesen Dreh im Leben.“
Und dann ist da noch das Licht – als bleibendes Bild: „Das Osterlicht bleibt. Es bleibt allen Todesmächten dieser Welt zum Trotz. Und es geht nie mehr weg.“