Seit 14.43 Uhr hat Lübeck einen neuen Propst
Lübeck. Die Hansestadt Lübeck hat seit dem 9. Mai 2026 einen neuen Propst: Um 14.43 Uhr legte Bischöfin Kirsten Fehrs dem 41-Jährigen die silberne pröpstliche Kreuz-Kette um.
300 Teilnehmende bei Amtseinführung
Mit einem festlichen Gottesdienst in St. Marien zu Lübeck ist Oliver Erckens offiziell als neuer Propst in Lübeck eingeführt worden. Die Synode des Kirchenkreises hatte den Pastor aus Siebenbäumen im Herzogtum Lauenburg im November 2025 mit großer Mehrheit gewählt. Rund 300 Gäste aus Kirche, Gesellschaft und Politik nahmen an dem Gottesdienst teil, darunter Familie, Freund:innen, Kolleg:innen und langjährige Wegbegleiter:innen.
Die Einführung erfolgte durch Kirsten Fehrs, Bischöfin für den Sprengel Hamburg-Lübeck bei der Nordkirche. In ihrer Ansprache beschrieb sie Erckens als einen Menschen, der Glauben, Reformbereitschaft und menschliche Zugewandtheit miteinander verbinde. „Tief im Glauben und in seiner Hoffnung verankert, mit Gedankenweite und Herzenswärme. So habe ich Oliver Erckens schon als angehenden Pastor kennenlernen und ordinieren dürfen“, sagte Fehrs.
Bischöfin würdigt Oliver Erckens
Mit einer ihm eigenen „Ruhe und Klarheit“ strahle Erckens große Zuversicht aus – gerade in einer Zeit, in der sich Kirche grundlegend verändern müsse. Sie habe ihn stets als jemanden erlebt, der Herausforderungen nicht ausweiche, sondern sie „hoffnungsmutig zupackend, nachdenklich und nach vorn ausgerichtet“ angehe. Dabei gehe es ihm nicht um Veränderung um ihrer selbst willen. „Oliver Erckens will Reform. Und er will sie klug und durchdacht“, sagte die Bischöfin.
Entscheidend sei für ihn die Frage, wie die christliche Botschaft in einer krisenhaften Gegenwart wirksam bleiben könne. „Es geht um die Freude der frohen Botschaft, die in dieser wahrlich herausfordernden Zeit mit all ihren Fried- und Freudlosigkeiten ihre Kraft entfalten kann und muss“, sagte Fehrs. Zum Abschluss ihrer Ansprache wünschte sie Erckens und seiner Familie Gottes Segen „auf den neuen Wegen“.
Erckens erste Predigt als Propst
Mit seiner ersten Predigt als neuer Propst hat Oliver Erckens die Kirche als Ort der Hoffnung, der Menschlichkeit und des mutigen Widerspruchs gegen gesellschaftliche Härte beschrieben. Im Zentrum standen die Seligpreisungen aus der Bergpredigt, die Erckens als „Kern der Botschaft Jesu Christi“ bezeichnete und zugleich eng mit seiner eigenen Glaubensgeschichte verknüpfte.
Dabei spannte er einen Bogen von seiner eigenen Konfirmandenzeit bis in die Gegenwart einer von Krisen geprägten Welt. „Die Welt hat sich verändert seit meiner Konfirmation“, sagte Erckens. „In Europa herrscht Krieg. Wir haben eine Pandemie durchlebt. Und die große Erzählung vom immerwährenden Fortschritt funktioniert nicht mehr.“ Gerade deshalb gewönnen Jesu Worte neue Aktualität.
Erckens stellte die christliche Botschaft bewusst an die Seite der Menschen, die gesellschaftlich unter Druck geraten. „Gott applaudiert weiterhin für die Pflegekräfte von seinem Balkon aus“, sagte er. Ebenso stehe Gott „an der Seite derer, die im Machtgehabe von Trump und Putin zu Notleidenden werden“.
Besonders eindringlich sprach der neue Propst über die Verantwortung der Kirche, Menschlichkeit sichtbar zu halten – auch gegen Widerstände. Mit Blick auf die US-Bischöfin Mariann Edgar Budde erklärte er: „Selten in meinem Leben habe ich gespürt, wie die Worte Jesu gemeint sind.“
Trotz aller Krisen Hoffnung säen
Zugleich war die Predigt persönlich und zugewandt. Erckens beschrieb die vergangenen Wochen in Lübeck als Zeit intensiver Begegnungen mit Menschen, „denen Kirche am Herzen liegt“ und die trotz aller Krisen „Hoffnung säen“.
Zum Ende seiner Predigt machte er den Zuhörenden Mut, selbst Teil von Veränderung zu sein. „Gottes Blick auf Dich verändert die Welt“, sagte Erckens. „Dass Du da bist, macht einen Unterschied.“ Sein Schlussappell an die Gemeinde lautete: „Geht in diese Welt: als Gesehene, als Begabte – und: Macht einen Unterschied!“
Applaus brandete nach seiner Antrittspredigt auf.
Präses verliest Ernennungsurkunde
Katrin Thomas verlas die Ernennungsurkunde. Die Präses der Kirchenkreis-Synode hob die Zukunftsorientierung des neuen Propstes hervor. Sie erinnerte an die Wahl durch die Synode im November 2025. „Da braucht es Menschen mit Mut und einem festen Glauben, Menschen, die im Miteinander nach Lösungen suchen und selbst Visionen entwickeln können“, sagte Thomas. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr Erckens’ gedanklicher „Spaziergang durch Lübeck in zehn Jahren“ während seiner Vorstellung vor der Synode: „Da hattest du uns.“
Zugleich betonte Thomas die Bedeutung gemeinsamer Verantwortung innerhalb des Kirchenkreises. „Wir alle bilden mit dir, mit euch Pröpsten, mit der Verwaltung und mit allen Verantwortlichen in den Gemeinden unseres Kirchenkreises eine Verantwortungsgemeinschaft“, sagte sie.
Amtszeit dauert zehn Jahre
Gemeinsam wurde Abendmahl gefeiert, bevor der Einführungsgottesdienst mit einem Empfang endete.
Mit der Einführung beginnt für Erckens eine Amtszeit von zehn Jahren bis zum 30. April 2036. Der 41-Jährige ist derzeit der jüngste Propst innerhalb der Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).